Mittwoch, 17. September 2014

Die APA kennt den "Kurs des Papstes"?

Es ist mithin erheiternd, wie genau die APA zu wissen scheint, was "der Kurs des Papstes" ist. Da kommt ein Buch von 5 Kardinälen heraus, und schon interpretieren die Medien aus ihrer Sicht den Italo-Western-Showdown - hier eindeutig die bösen Jungs mit den schwarzen Hüten, die in die Stadt reiten und mit finsterem Fundamentalismus gegen den Kurs des guten  Sheriffs (Franziskus) und seines mutigen Deputy (Kasper) antreten wollen:

 "Vatikanischer Gegenwind"
"Fünf Kardinäle protestieren in einem Buch gegen den neuen Kurs von Papst Franziskus, der mehr Offenheit gegenüber geschiedenen Katholiken zeigt. Das Buch, das unter anderem vom Präfekt der Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Müller geschrieben wurde, richtet sich vor allem gegen einen Bericht, den Kardinal Walter Kasper im Auftrag des Papstes vor dem Konsistorium im Februar verfasst hatte.,.."


Jeder, der den Artikel liest, sieht sofort: Das vorgestellte Buch richtet sich nicht gegen den "Kurs des Papstes", sondern gegen einige der Thesen in Kardinal Kaspers Vortrag. Nicht mehr, nicht weniger.  Was Franziskus von diesen schwierigen Thesen denkt, kann wirklich niemand wissen - er hat es bisher nämlich nicht geäßert. Ich stelle mal eine Vermutung an: Das, was die Lehre der Kirche ist - nämlich das, was die 5 Kardinäle schreiben. Aber das ist pure Spekulation.

Wir spüren wieder einmal, wie wunderbar sich die Fronten vor der kommenden ausserordentlichen Bischofssynode ab 5. Oktober - und dann vor der großen Familiensynode nächstes Jahr - in den Augen der Medien bereits verteilt haben. Hier die mutigen Reformer unter Franziskus, dort die bösen Bremser unter Müller. Und leider, leider sind das auch die Früchte der vielen vielen Wortmeldungen von Kirchenoberen aus dem deutschsprachigen Raum - mit ihren "Wunschlisten" an die kommende Familiensynode.

In Österreich hieß es einst: Lasst Kreisky  und sein Team arbeiten.

Lassen wir den Heiligen Geist arbeiten.

Dienstag, 16. September 2014

Die Rolle Tesaband (meine heutige Glosse in der "Tagespost")



Die Rolle Tesaband

Ein kluger Kopf hat in den Wochen vor dem letzten Konklave einmal gesagt, man sollte den Kardinälen zusammen mit der Einladung zum Konklave eine große Rolle Tesaband schicken. Damit sie sich ihren Mund verkleben können und nicht in Versuchung geraten, sich medial über die kommende Papstwahl zu äußern. Damit Stille herrscht, man keine falschen Erwartungen weckt und der Heilige Geist in Ruhe arbeiten kann. 

Fast ist man derzeit versucht, die Rolle Tesaband im Vorfeld der Familiensynode wieder hervorzukramen. Und sie in einer Massenaussendung an alle zu versenden, die es für angemessen halten, im Vorfeld dieser Versammlung über die Massenmedien ihre Wünsche, Träume und Erwartungen zu verbreiten, um vorab die Deutungshoheit zu erlangen. Das ist bedenklich. 

Erstens erhöht sich der mediengetriebene Erwartungsdruck auf eine Veranstaltung, die eigentlich in Ruhe einen Blick nach vorne in der Familienpastoral erlauben soll. Wehe, wenn die „heißen Eisen“ nicht alle nach den Vorstellungen des Publikums gelöst werden.

Zweitens reduziert man durch Einengung einzig auf die „heißen“ Topics die Familienproblematik erheblich und vertut damit die Chance, der Familie in einer zunehmend säkularen Welt die beste Chance zu geben. 

Und drittens erwecken manche medialen Einwürfe leider den Eindruck, es werde „Wahlkampf“ bei den eigenen „Schäfchen“ betrieben – anstatt in einer demütigen Haltung des Hinhörens auf Gott zu ertasten, was Gottes Wille für die Zukunft der Familie sein könnte. 

Früher hatten Heilige einen Totenschädel als Vanitas-Symbol am Schreibtisch liegen. Eine Rolle Tesaband wäre kein übles Symbol für das 21. Jahrhundert.

(Tagespost, 16.09. 2014)