Samstag, 30. März 2013

Karsamstagshomilie des Epiphanius

Am Karsamstag wird es still. Man wartet auf die Osternacht. Christus ruht im Grab. Und ich lese immer einen der stärksten geistlichen Texte, die ich kenne - eine Meditation über den Abstieg des Herrn in das "Reich des Todes". Vor drei Jahren gab es ihn online nur ganz auf englisch, seit kurzer Zeit findet man ihn hier und da auch auf deutsch. Ich finde, viel mehr Menschen sollten ihn am Karsamstag zu einer "Tradition" machen....

Ohne weitere Verzögerungen - die Homilie zum Karsamstag des Epiphanius:

Epiphanius (+ 515) zugeschrieben

"Aus einer Homilie am großen und heiligen Sabbat.

Der Abstieg des Herrn in die Welt des Todes

Was ist das? Tiefes Schweigen herrscht heute auf der Erde, tiefes Schweigen und Einsamkeit. Tiefes Schweigen, weil der König ruht. "Furcht packt die Erde, und sie verstummt" (Ps 76,9), weil Gott - als Mensch - in Schlaf gesunken ist und Menschen auferweckt hat, die seit unvordenklicher Zeit schlafen. Gott ist - als Mensch - gestorben, und die Unterwelt erbebt. Gott ist für kurze Zeit in Schlaf gesunken und hat die in der Welt des Todes auferweckt (vgl. Mt 27,52).

Er geht auf der Suche nach dem erstgeschaffenen Menschen wie nach dem verlorenen Schaf (vgl. Luk 15,3ff). Besuchen will er, "die völlig in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes" (Lk 1,79). Er kommt, um den gefangenen Adam und die mitgefangene Eva von ihren Schmerzen zu erlösen, er, zugleich Gott und der Eva Sohn (vgl. Gen 3,15).

Er fasst Adam bei der Hand, hebt ihn auf und spricht: "Wach auf, Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein!" (Eph 5,14) Ich habe dich nicht geschaffen, damit du im Gefängnis der Unterwelt festgehalten wirst. "Steh auf von den Toten!" Ich bin das Leben der Toten. Steh auf, mein Geschöpf, steh auf, meine Gestalt, nach meinem Abbild geschaffen! Erhebe dich, lass uns weggehen von hier! Du bist in mir und ich in dir (vgl. Joh 17, 21.23), wir sind eine unteilbare Person. Deinetwegen wurde ich dein Sohn, ich, dein Gott. Für dich nahm ich, der Herr, deine Knechtsgestalt an. Für dich kam ich auf die Erde und unter die Erde, ich, der über den Himmeln thront. Für dich, den Menschen, bin ich ein Mensch geworden "ohne Hilfe, frei unter den Toten" (Ps 88, 5.6 (LXX)). Du wurdest vom Garten ausgestoßen, ich wurde vom Garten aus den Juden überliefert und in einem Garten begraben.

Sieh den Speichel in meinem Gesicht! Deinetwegen ließ ich es geschehen, um dir den Anhauch des Ursprungs wiederzugeben (Gen 2,7). Sieh die Backenstreiche, die ich empfing, um deine verderbte Gestalt nach meinem Bild wiederherzustellen.

Sieh die Spur der Geißelhiebe auf meinem Rücken, die ich mir gefallen ließ, um deine Sünden zu vernichten, die auf deinem Rücken lasten. Sieh meine Hände, die so glückverheißend mit Nägeln an das Kreuz geheftet sind, deinetwegen: denn du strecktest (einst) zu deinem Unglück deine Hände aus nach dem Holz. Ich entschlief am Kreuz, und die Lanze durchbohrte meine Seite, für dich, denn im Paradies fielst du in Schlaf und brachtest aus deiner Seite Eva hervor. Meine Seite heilte die Wunden deiner Seite. Mein Schlaf wird dich aus dem Schlaf der Totenwelt herausführen."

Sonntag, 24. März 2013

Ostern: Eintreten in den uralten Kreis

Der Beginn der Karwoche ist für mich jedes Jahr etwas Besonderes. Wenn plötzlich der Palmsonntag da ist und mich immer in der Geschäftigkeit des Alltags überrascht, bin ich jedes Jahr gleich wenig bereit für das größte Wunder des Kirchenjahres. Und dennoch nimmt das, was für mich der Höhepunkt des Lebens als Christ ist, mich mit seiner ganz eigenen Pädagogik jedes Jahr gefangen und zieht mich in den uralten Kreis. Von Palmsonntag bis Ostersonntag spannt die Liturgie eine feine Regie, ein Gesamtkunstwerk für den, der es entdecken will, wie es sonst kaum etwas gibt. Da fühle ich, wie ich in etwas eintrete, das größer als die Summe seiner Teile ist.

Mit vielen sinnlichen Zeichen kommt uns die Kirche entgegen, um den Sinn der Kartage zu erschließen. Im Dorf, in dem wir leben, ist es vor allem das Marathonerlebnis des Ratschens, wenn man von nachtschlafender Dunkelheit bis am Abend die Kinder im regelmäßigen Rhytmus in die Kälte hinausschickt, um den "englischen Gruß" vor den Häusern des Dorfes auszurufen und die Holzratschen zu drehen. Dazu kommt das Fasten des Karfreitages, die Stille der Glocken ab Gründonnerstag abend, die Holzklappern in der Liturgie und viele andere Details.

Und da ist das große Triduum von Gründonnerstag bis zur Osternacht. Ich habe erst recht spät (Buchtipp unten) erklärt bekommen, wie diese drei Feste liturgisch zusammenhängen; dass sie eine Gottesdienstfeier sind. Der Gründonnerstag hat eine Eröffnung, aber keinen Schlusssegen; er endet mit dem leeren Tabernakel, dem Umzug des Allerheiligsten in einen Nebenaltar und im Schweigen; im selben Schweigen und ohne Messeröffnung beginnt der Karfreitag und endet ohne Schlusssegen, in der Leere der Todeserfahrung; auch die Osternacht beginnt "offen", am Osterfeuer, erst am Ende der Osternacht erfolgt wieder ein Segen, und die Liturgie ist abgeschlossen.

Also: weil wir selber oft den Schritt in einen Einkehrtag nicht schaffen - lassen wir uns durch den stärksten Einkehrtag, der zu uns kommen kann, überrumpeln; lernen wir wieder das Staunen darüber, dass Gott für uns gestorben und auferstanden ist; horchen wir durch allen Stress, den wir in dieser Handy-Internet- Email-Twitter-Welt oft auf uns laden, auf die Stimme, die an Ostern besonders deutlich zu uns sprechen will. Nutzen wir die Zeit.

Eine weitgehend unbekannte Stadt sollte man mit einem Führer entdecken. Für alle, die hinter die Kulissen der Karwoche schauen und die vielen Elemente erkennen lernen wollen, die das Wunder der Osterliturgie ausmachen, gibt es Ulrich Engels "Die Liturgie der Karwoche und der Osternacht", ein ebenso handlicher wie wesentlicher Wegweiser durch die Heiligen Tage. Er passt sogar notfalls in die hintere Hosentasche, wenn man noch kurz vor der Messe nachlesen will, was jetzt kommt (oder es den Kindern auf der Fahrt zum Gottesdienst vorlesen). Nutzen wir die Zeit.

Dienstag, 19. März 2013

Franziskus: alle spähen in die Glaskugel

Der Papst ist noch gar nicht eingeführt, da geht schon das große Spekulieren los. Wird Franziskus alles ändern? Ist er eher liberal? Eher konservativ? Wirft er alles über Bord, was gut und heilig ist? Zum Teil hat Jorge Bergoglio das natürlich selber mit verantwortet, dadurch, dass er in den ersten Minuten, Stunden, Tagen starke optische wie inhaltliche Zeichen gesetzt hat, die ahnen lassen: dieser Papst wird viel anders machen; wir werden uns von manchem Liebgewonnenen verabschieden müssen.

Den neuesten "herumgemailten" Artikel hat Alexander von Schönborg in der "Welt" verfasst.

http://www.welt.de/kultur/article114537303/Auch-Bescheidenheit-kann-Arroganz-sein.html

In einem geschliffenen Deutsch und mit viel Sachkenntnis sammelt von Schönburg wie in einem Brennglas alle Bedenken und das Unbehagen der "konservativen Reichshälfte": Er sieht die Wahl als Kontinuitätsbruch, als Triumph der "Gegner Ratzingers", deutet genau die Machtverhältnisse, die die Wahl herbeigeführt haben, vermutet eine vorgeschobene Bescheidenheit, um alle einzulullen, eine ungesunde Verquickung von Amt und Person, und dahinter einen Masterplan zum Umkrempeln von Weihepriestertum, Papstamt etc.

Ich schätze Alexander v. Schönburg sehr und denke, er hat einen scharfsinnigen Artikel geschrieben. Doch - darf ich alle bitten, jetzt einen Schritt zurückzutreten? Wir sprechen hier nicht von einem brillianten Maulwurf, der es dank eines linken Netzwerks geschafft hat, allen Kardinälen Sand in die Augen zu streuen, um den wahren Glauben zu zerstören. Wir reden vom 266. Nachfolger Petri, unserem neuen und aktuellen Papst, der mit großer Mehrheit von den Kardinälen der katholischen Kirche gewählt worden ist; unterstützt von (mindestens) über 300.000 Betern, die konkret für diese "adoptierten" Kardinäle gebetet haben.

Bitte, verfallen wir doch nicht in die journalistische Falle, das alles rein immanent zu sehen, als ein Macht-Hickhack zwischen Fraktionen. Wir glauben, dass der Heilige Geist bei der Papstwahl dabei ist. Wenn er nun einen Mann hat Papst werden lassen, der uns auffordert, einen Schritt voran zu gehen, zum Beispiel auf die Armen zu, dann sollten wir diesen Schritt mutig mitmachen und uns freuen. Nochmals: Wir reden hier vom PAPST. Wir dürfen uns vertrauensvoll unter seine Führung stellen. Auch wenn er gewisse Kleidungsstücke nicht anzieht, wenn er auf die Loggia tritt. Manche unserer Großeltern waren damals sicher entsetzt, als die Sedia Gestatoria und die Pfauenfedern abgeschafft wurde. Fehlen sie mir? Nein.

Ich habe mit einem einfachen Priester gesprochen, der Franziskus als Bischof in Südamerika über einen längeren Zeitraum kennen lernen durfte. Er sagt, es ist wirklich alles echt: die Bescheidenheit, die Liebe für die Armen, der Humor. Dann sagte er mir zwei Dinge, die für mich zentral sind: "Er ist immer für seine Priester da." und "Er ist wirklich, wirklich gläubig." Für mich ist das genug, das und sein Blick, wenn er bei der Wandlung den Leib Christi erhebt, dieser lange Blick der Zwiesprache.

Gestern sagte meine Frau im Gespräch zu mir: "Ich habe das Gefühl, es beginnt ein Einkehrtag, wo dieser Mann uns in die Tiefe führen wird. Er wird Seiten unseres Glaubens öffnen, die verkümmert waren. Das wird nicht immer bequem sein, aber großartig."

Besser könnte ich es nicht zusammenfassen.

Donnerstag, 14. März 2013

Willkommen, Franziskus!

Wieder einmal hat das Konklave seine einzigartige Seite gezeigt. Niemand der großen Favoriten ist es geworden, die Kommentatoren, die seit Wochen immer dieselben Namen nannten, oft aus einer "Macht"-Analyse heraus, oft auch verzweifelt voneinander abschreibend, sie lagen allesamt daneben. Und ahnten es die ganze Zeit. Dafür dem Großen Regisseur (und den Kardinälen) von Herzen DANKE! Wer meine Tweets und meinen Blog liest, weiß, dass ich mich seit Wochen darüber ärgere, wie eine Papstwahl wie jede X-beliebige Vorstandwahl betrachtet wird - und dass ich allen Freunden und Journalisten bei der Frage nach dem zukünftigen Papst immer gesagt habe, dass sie vom Konklave überrascht sein werden. Wenn der Deckel auf den Suppentopf Sixtinische Kapelle gesenkt wird, dann entsteht dort ein Gericht, das so gar nicht den Zutaten und Erwartungen entspricht, die hineingegangen sind.

Denn der Koch ist wirklich ein anderer.

Franziskus wirkt nach dem ersten Eindruck am Balkon und der nächtlichen Lektüre von Medienberichten: bescheiden, den Armen nahe, klar in Ehe und Familie, unbekümmert vor den Medien, unkompliziert und humorvoll.

Wir dürfen viel von ihm erwarten.

Montag, 11. März 2013

Und jetzt PSSST!

Morgen beginnt das Konklave. Wir haben alles gehört von den ratlosen Vatikanisti und den Kommentatoren, wir wissen, wer die Favoriten sind, wer womöglich schon wie viele Stimmen hat, welche Fraktionen sich gegenüber stehen und welche politischen, organisatorischen heißen Eisen der neue Papst angehen müssen wird. Ich fände, es würde allen ganz gut tun, jetzt mal die KLAPPE ZU HALTEN und still zu werden.

Morgen beginnt etwas Aussergewöhnliches. Es beginnt ein Prozess, bei dem fehlbare Menschen unter besonderen Umständen versuchen, zu erraten, wen Gott im Voraus zum Papst bestimmt hat. So ähnlich wie die Wahl der Apostel damals, um nach der Auferstehung den Nachfolger des Judas zu bestimmen. Das ist nicht in erster Linie ein politischer Akt. Sondern ein geistliches Event. Wer jetzt nicht still wird und die Gegenwart Gottes sucht, riskiert wirklich, das Wesentliche zu verpassen.

Nehmen wir doch ernst, was die Kardinäle, die in Rom versammelt sind, in den letzten Tagen immer wieder gesagt haben. Sie baten in Blogs, Predigten, Interviews und Tweets vor allem um eines - um unser Gebet. Das waren keine Floskeln, das ist keine augenzwinkernde Wahlkampfrhetorik. Das sind Männer, die wirklich glauben, dass sie eine Aufgabe im Angesicht Gottes haben - und nicht Vorstandsmitglieder, die einen neuen Vorstandsvorsitzenden wählen. Die Kardinäle fühlen im Moment die drückende Größe ihrer Verantwortung. Also: Haben Sie heute schon für das Konklave, für die Kardinäle gebetet? Für den neuen Papst?

Nochmals: PSSSSSST. Münder zu. Ohren auf. Ein Konklave begleitet man nicht am Besten mit den Fingern auf der Tastatur, sondern mit gefalteten Händen. Es geht ums Ganze. Es geht um den richtigen neuen Papst für unsere Zeit.