Sonntag, 24. November 2013

Advent - diesmal WIRKLICH ruhig?

"Es is ja die stade Zeit" sagte man in meiner Kindheit in Bayern über den Advent. Nun, "stad", still war er schon damals nicht, doch hätte man vermutlich lachend den Kopf geschüttelt, wenn man uns prognostiziert hätte, was die bösen Monster Internet (hä?) und Smartphones (hä hä?) im Jahr 2013 zu unserem Stress beitragen würden. Den Advent 2013 in Ruhe zu verbringen scheint ausgeschlossen, undenkbar, und so richten wir uns wieder auf einen taumelnden Hetzlauf bis zum 24. Dezember ein.

Und doch... und doch beginnt am nächsten Sonntag, dem 1. Advent, wieder ein neues Kirchenjahr. Und alles kann, soll ganz neu beginnen. Weihnachten wie Ostern überraschen uns immer wieder mitten im Alltag bei der Frage "ist es wirklich schon wieder so weit?" - Ostern ist für mich wie ein Eintreten in ein riesiges, altes, wesentliches Räderwerk, das mich mitten ins Geheimns von Tod und Auferstehung hineinzieht. Advent und Weihnachten kommt viel sanfter daher, weniger drängend. Wie können wir aber im Advent eine angemessene Antwort geben, uns ruhig öffnen, ohne dafür gleich ins Kloster zu gehen?

Es gibt eine tragbare Antwort. Die in die hintere Jeanstasche passt. Und uns im Alltag einen Anker anbietet, einen greifbaren, um etwas vom Geheimnis der Vorweihnachszeit in unseren hektischen Alltagsstress hineinzuholen.



Das "kleine Stundenbuch", das mit dem ersten Advent neu beginnt. Kaufen wir es doch und lassen wir es uns kurz erklären - im Internet gibt es genug "Anweisungen", schön ist aber auch, sich von einem Menschen erklären zu lassen, wo man die Bändchen einlegt und wie man sich zurechtfindet. Glauben Sie mir, wir können eine neue, eine tiefe und wunderbare Welt entdecken, die unseren Alltag im Dezember auf heilsame Weise mit ruhigen, beschaulichen, tausenden von Jahre alten Texten aus der Bibel, mit Psalmen und schönen Hymnen durchsetzen kann. Mir jedenfalls tut das gut, mich an etwas festhalten zu können, das nicht mein Blackberry oder mein Notizbuch ist.

Seien wir ehrlich - irgendwann am Tag hat jeder und jede Zeit - sei es in der Früh, im Dunkeln, beim ersten Kaffee und bevor der PC an ist - ja, ich schaue dich da an und mich auch - BEVOR der PC an ist - oder das Smartphone. Da kann man mit der Laudes den Tag beginnen. Oder in der Strassenbahn auf dem Weg in die Arbeit. Einfach aufschlagen und vertiefen, und plötzlich ist  für ein paar Minuten der Advent da. Und wir treten in Kontakt mit Menschen, die vor 1400 Jahren auf Weihnachten warteten. Mit geistlichen Menschen, mit Mönchen auf aller Welt. Und ganz nebenbei auch mit Gott.

In der Mittagspause kann man die weiter hinten im Buch stehenden, kürzeren Terz-Sext-Non-Gebete unterbringen - das ist wirklich zu schaffen - oder man vertieft sich am Abend, vor dem Schlafengehen, in die sanften Vespern und bescließt den Tag mit Ruhe mit der Komplet.

Gehen wir es überhaupt ruhig an. Nicht alles, aber jeden Tag zumindest ein bisschen beten. Und geben wir Gott eine Chance - und stecken das Stundenbuch auch ein, wenn wir aus dem Haus gehen. Irgendwann kommt der Moment, wo wir dann, statt zum 20. Mal Facebook zu checken, doch das "Kleine Stundenbuch" herausziehen und uns an die richtige Stelle blättern. Wie das Millionen von Christen auf der ganzen Welt tun.

Man muss ja heutztage alles mit einem Papst-Franziskus-Zitat beginnen oder beenden. Also gut. In einem Inteview sagte der damalige Kardinal Bergoglio, das Stundengebet sei das letzte, was er am Abend tue, und das erste nach dem Erwachen.

Wenn uns das nicht motiviert, ihm das ein wenig nachzutun?

PS: das Stundenbuch gibt es mittlerweile auch als sehr praktische App. Mir hilft das nicht viel. Ich bin eh schon Sklave meines Handys. Ich brauche rute Bänder und Papier, um einzutauchen. 

Dienstag, 5. November 2013

Ganz erstaunlich: Der Mäusesheriff (Part 1)

Heute mal was ganz anderes.

Zeit, eines der erstaunlichsten Gesamtkunstwerke in deutscher Sprache zu beleuchten: die beiden Kinderhörspiele "Der Mäusesheriff" und "Neues vom Mäusesheriff" von Egon L. Frauenberger nach dem Buch von Janosch, beide produziert 1971. Ich sage bewußt "nach" Janosch, weil die fertigen Produkte sehr wenig mit dem Ausgangsbuch zu tun haben.

Wenn eine Platte/ Cassette/ CD aus dem Jahr 1971 nicht nur in der eigenen Kindheit hunderten von Hördurchgängen standgehalten hat, sondern beim Wiederhören als Erwachsener noch genialer rüberkommt und schließlich meinen 6 Kindern gefällt, bis hinunter zur vierjährigen Jüngsten, der die Dialoge ein fassungsloses Grinsen ins Gesicht zaubern, dann muss das Werk (über die Alterssentimentalität hinaus) schon etwas Besonderes sein.

Und das sind die Geschichten um Jippi Brown, den doppelten Sheriff von Mocassin Flat, in vielerlei Hinsicht. Rasant, komisch, mit mitreissenden Liedern, einer Triple-Portion Ironie, geradezu anarchistischen Humor und viel Spannung. Ja, sie sind so gut, wie wir sie seit der Kindheit in Erinnerung haben; erst als Erwachsener lernt man den Unsinn, der einem da verzapft wird, in seiner ganzen Breite schätzen. Teil 1, besonders aber Teil 2 sind fast die perfekteste Unterhaltung, die ich in der deutschen Sprache kenne; noch beim 5. oder 6. Hören entdeckt man kleine Humorbatzen, die einem vorher entgangen sind.

Worum geht es in den Hörspielen? In der Mäusestadt Katzlbach taucht eines Tages ein Fremder auf, der sich als Jippi Brown ausgibt. Er beginnt sofort, haarsträubende Geschichten aus dem Wilden Westen zu erzählen, zur großen Begeisterung der Mäuse, die jedes seiner Worte glauben und verschlingen. Da geht es um die Stadt Mocassin Flat, um Indianer und Silberlöwen, Eisenbahlinien und Telefonate mit dem "Präsidenten Hosenfeld", und immer wieder die erstaunlichen Heldentaten des unbesiegbaren Sheriffs mit den starken Barthaaren. Das ganze punktuiert von nonsensischen Westernsong-Versionen von bekannten Liedern und getragen von einem scharfen Timing. Dass Jippi Brown, wie Bartolomäus, der Mäusevater, vermutet, eine Lügenmaus ist, wird nicht erst am (moralischen) Ende klar; aber so wirklich stört es nicht. "Hauptsache, die Geschichte ist schön", wie die ständig mit aufgeregten Fragen unterbrechenden Mäuse meinen.Und schön sind die Geschichten; der Höhepunkt ist sicher die Begebenheit (in der zweiten Cassette) mit dem Silberlöwen mit den spitzen Zähnen, welchen der Großwildjäger Mr. Fletcher, "ein Englishman aus England", unbedingt erlegen will.

Getragen ist das ganze von genialen Texten, einem tollen Erzähler, dem charismatischen Rüdiger Bahr als charmant-größenwahnsinnigen Jippi Brown und vielen, vielen starken NebendarstellerInnen.  Ganz besonders deutlich wird der Kontrast, wenn man begeistert das Janosch-Buch kauft - und feststellt, dass es fast nichts mit dem tollen Hörspielpaar zu tun hat, sondern (zumindest mir) viel langweiliger vorkam. Der bekannte Hörspielproduzent Egon L. Frauenberger (Hotzenplotz, Kleine Hexe, Urmel etc.) hat hier mit sehr viel Eigeninitiative ein autarkes Eigenwerk geschaffen, das seinesgleichen sucht.

So. Etwas beruhigen wieder.

Wer nach all dem Lob und Preis nicht sofort los saust und für sich oder seine Kinder die Hörspiele erwirbt, sondern sicherheitshalber einmal "hineinhören" will, findet hier die Links (mit Hörbeispielen):


 Der Mäusesheriff auf Amazon

Neues vom Mäusesheriff auf Amazon

Ich bemühe mich mittlerweile, für diesen Blog Kontakt zu einigen der damaligen Synchronsprecher herzustellen, um mehr über die Umstände zu erfahren, unter denen die beiden "Mäusesheriff"-Hörspiele entstanden sind.


Dienstag, 29. Oktober 2013

Bis an die Grenzen der Diözese

Die letzten zwei Tage durfte ich wieder mal die schönen Seiten der Mitarbeit im Referat für Kommunikation der Diözese St. Pölten erleben. Für unsere funkelnageleue Homepage sollten alle Pfarrkirchen geknipst werden, von aussen und wo möglich von innen.

Dekanat für Dekanat.

Da schwingt sich dann der Mitarbeiter ins Auto und tingelt, mit Fotoapparat und Routenplaner bewaffnet, durch Dörfer und über Landstrassen. Pro Tag zwischen zehn und zwanzig Kirchen. Hunderte Kilometer, viele Stunden lang. Immer auf der Suche nach dem perfekten "Passfoto" der Kirche. Da ich diesmal im Dekanat Geras (im Nordosten des Waldviertels) unterwegs war, sah die Landschaft zumeist so aus:

  


Das Ganze ist ein bisschen wie eine Schnitzeljagd. Ich LIEBE Autofahren und probiere gerne neue, möglichst kleine und abgelegene Sträßchen aus - und Google Maps schickt einen auch gerne mal über einen besseren Feldweg. Der manchmal an der Diözesan- und Landesgrenze entlangläuft (diesmal zu Tschechien):





Das ganze vor der kargen, herbstlichen Szenerie des Waldviertels. Traumhaft. Da rollt man auf einer ganz normalen Landstrasse plötzlich über eine waschechte Holzbrücke, durchquert ausgestorbene Dörfer, dippt kurz in das tschechische Funknetz ein und kommt nebenbei zur wahrscheinlich "einzigen Perlmuttdrechselei Österreichs"....

Was bei diesen Fahrten immer am meisten bewegt: ist die Präsenz der Kirche in auch den hintersten Winkeln der Landschaft. In Dörfern, in denen wirklich alles herunterblättert, die man erst nach Durchquerung von ausgedehnten Waldgebieten erreicht, auf Sträßchen, auf denen eine Begegnung mit Gegenverkehr zum waghalsigen Abenteuer werden kann, findet man immer zuerst das Kirchlein, bald alt, bald neu, und daneben immer der Aushängekasten, das Plakat der KA, das "Jahr-des-Glaubens"-Poster, die Messzeiten.

 
Es ist eine starke und horizonterweiternde Erfahrung, die große Fülle an Kirchen zu sehen, das immer gleiche und neue Bild, wenn man sich einem neuen Dorf nähert. Wenn man auch in erster Linie im Kopf kalkuliert, ob die aktuelle Kirche am besten von weit weg oder von ganz nah zu knipsen ist - spürbar wird überall, dass das Dorfleben sich noch um die Kirche gruppiert. Und schön auch der Stolz der Menschen, wenn man ihre Kirche fotografiert.

Und natürlich war es für mich nicht zuletzt eine Wallfahrt - auch wenn diesmal die meisten Kirchen verschlossen waren, hielt man doch im Schnitt alle 20 Minuten bei einer Kirche, wo der Herr wohnt.
Und zuweilen, wenn man nicht durch eine geschlossene Glasfenster versucht, ein Bild vom Inneren zu erhaschen...

 

...kann man sich immer ein paar Minuten in die Kirche setzen und ein wenig innehalten. Und die Eindrücke verarbeiten.

Schön, für die Kirche zu arbeiten.

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Ziemlich Meta: Eduard in Waldersbach (und Strassburg und Nancy)


Wenn ein Bild tausend Worte (nicht ganz) ersetzt... Im Rahmen einer Lesereise nach Nancy und Strassburg bin ich am Tag nach Büchners 200. Geburtstag, also am 18. Oktober,  nach Waldersbach gekommen, jenen Ort, an dem Büchners "Lenz" und meine "Lena in Waldersbach" (C. H. Beck) spielen. Das war eine in jeder Hinsicht spannende Begegnung, da ich zwar meinen Roman dort angesiedelt hatte, den Ort aber nur durch Google Maps und Google Earth und Komparsen gekannt hatte. Ich durfte dort nicht nur das Musee Oberlin besuchen, sondern auch das aktuelle Pastorenehepaar von Waldersbach, die Cloyds (in meiner "Lena" spielen die fiktiven Pastoren von Waldersbach eine Rolle und im "Lenz" natürlich der berühmte Pastor Oberlin).

Die Reise in die Vogesen gelang dank der rührenden Hilfe von Frau Demenet vom Goethe-Institut Strassburg, die mich gleich nach meiner Lesung vor 70 Schülerinnen und Schülern auf eine private Exkursion dorthin mitnahm. Eine Stunde fährt man im Auto in die Vogesen. In ein winziges Dörfchen, das wegen Pastor Oberlin, besonders aber wegen Jakob Michael Lenz und der Dramatisierung durch Büchner jedes Jahr hunderte von Besuchern anzieht.



Einigermaßen habe ich Waldersbach wiedererkannt an diesem herrlichen Herbstabend, einigermaßen sah es auch so aus, wie ich es beschrieben habe; alles etwas enger und die rollenden Hügel ringsum steiler (sehr passend zum Lenz). Vertraut und doch fremd. Die Kirche war genau, wie ich sie mir vorstellte - und wie Jakob Michael Lenz sie 1778 sah:


Großartig und für jede Büchner-Fan ein absolutes Muss ist die Besichtigung des Strassburger Münsters, das ich in 24h zweimal erkraxelte. Man muss sich einmal durch das Straßengewirr diesem wuchtigen, in seiner Geschichtlichkeit absolut fremd wirkenden Bauwerk nähern, das plötzlich vor einem steht und einen herausfordert: da bin ich; rotbraun, riesig, selbstbewusst.



Aber die Abenteuer beginnen beim Besteigen. Erstens wegen des kolossalen Schwindelgefühls, das einen spätestens beim Abstieg erfasst, wenn man in einer engen Aussenwendeltreppe immer wieder durch luftige Fenster auf das tief unter einem liegende Dach und die noch tiefer gehenden, staubkorngroßen Passanten blicken darf (brrr); faszinierend ist dann der Blick von der Aussichtsplattform, von der wir wissen, dass Georg Büchner während seiner Strassburger Aufenthalte 1835 und 1836 hier oft war (einmal während eines spektakulären Gewitters).  Und so hat er wohl auch zu den Vogesen hinüber geblickt, als er seinen 'Lenz" schrieb - man sieht die Höhenkette dunstig am Horizont:



Nein, faszinierend ist der Aufstieg speziell wegen der vielen "Unterschriften" von Reisenden, die vor allem während des ausgehenden 18. Jh. hier von ihrer Turmbesteigung Zeugnis ablegten.  Der Blick vom Münster war ja bis ins 19. Jahrhundert der höchste, den man in Europa genießen konnte! Zwischen die modernen Filzstiftkritzeleien beim Aufstieg (YO! MERDE!) mischen sich mehr und mehr eingemeisselte "Wuz-heres" von dieser Art (1771):



Oben sind dann wirklich hunderte von Tafeln angebracht, unter denen auch Voltaire, Goethe und Lenz sein sollen - leider gibt es keine Broschüre oder Führer, so dass man stundenlang suchen müsste... aber spannend ist es doch. Ich bin fast sicher, dass Büchner sich hier irgendwo am Aufstiegsweg verewigt hat, man müsste die Signatur nur finden.

Beides sind meine Wünsche an die Strassburger Verwaltung zum kommenden Münsterjubiläum.

Zwischendurch durfte ich zwei sehr verschiedenen Publiken aus meiner "Lena" vorlesen und hoffentlich einige Büchner-Fans gewonnen; meine "Lesungen" sind eine Mischung aus eigentlicher Lesung und der Entstehungsgeschichte von Büchners Lenz mit historischen Hintergründen. Die im Goethe-Institut Nancy war wirklich DIREKT am 200. Geburtstag Büchners. Schon schön:



Und die 70 Schülerinnen und Schüler in Strassburg jedenfalls gehen sicher nicht mehr achtlos am Münster vorbei...:)

Der schönste Moment kam an meinem Abfahrtstag. Als ich mich recht früh zu einer Frühmesse ins halbdunkle Münster schlich, verschwand die Turmspitze in einer Nebelbank. Das Foto ist natürlich grottenschlechte Qualität, aber sie gibt eine kleine Idee.






Montag, 21. Oktober 2013

Papst Franziskus und Severin von Noricum – ein Dream Team

Dieser Beitrag ist die Kurzfassung eines Vortrages, den ich am 11.10.13 in Wien/ Heiligenstadt gehalten habe - als ich neuer Obmann der Severinsgemeinschaft wurde. Er ist auch auf kath.net erschienen:

http://www.kath.net/news/43355


Wie kann ein Heiliger aus dem 5. Jahrhundert, aus der Zeit, als entlang der Donau das römische Reich zusammenbrach, brennend aktuell für das 21. Jahrhundert sein? Wie kann dieser Mann, der von Mautern bei Krems aus unermüdlich donauauf- und abwärts reiste, tätige und praktische Hilfe leistete, Wunder wirkte, mit den arianischen Germanen jenseits der Donau in respektvollen Dialog stand und zugleich brennend die Menschen zu Gebet aufrief; wie kann der für jeden von uns wichtig sein?

Ich denke aus zwei Gründen.

Erstens ist die Vita des Eugippius aus dem 6. Jahrhundert karg, nüchtern und trocken, hier dominieren „realistische“ Wunder, solche, wie wir sie uns in unserem heutigen Leben vorstellen können. Jeder sollte das orange Reclam-Heft einmal lesen und staunen. Das liegt ganz schlicht daran, dass der Biograph seine Informationen aus erster Hand hat. Der Mann aus Neapel ist ins Kloster eingetreten, nicht einmal 30 Jahre nach dem Tod des Severin, in Favianis in Noricum selber. Und hat dort die alten Mönche und andere Menschen befragt, die Severin kannten. So zeichnet die Vita ein realistisches Bild. Das merkt man auch an einem schönen Detail. Als er beschreibt, dass Severin immer barfuß ging, muss er seinen (napoletanischen) Lesern klar machen, was das bedeutete:

„Schuhwerk trug er überhaupt nicht; so begnügte er sich auch mitten im Winter, der in jenem Gebiet von grimmigen Frost erstarrt, immer damit, barfuß zu gehen;(…) Zum Beweis für die entsetzliche Kälte dort kann bekanntlich die Donaus als Zeuge gelten, die oft in solchen Eismassen erstarrt ist, dass sie auch Lastwagen eine sichere Überfahrt ermöglicht.“

Brrr. Also, ein realistischer Heiliger. Aber auch aus einem zweiten Grund ist dieser Mann brennend aktuell. Denn es ist vor wenigen Monaten ein Mann Papst geworden, der in seinen Handlungen, Aussagen, Gesten alles zu verkörpern scheint, was Severin damals in der Provinz Noricum zu leben versucht hat. Franziskus und Severin sind geradezu Seelenzwillinge. Wie Severin geht es dem neuen Papst zunächst um die tätige Nächstenliebe, welche die größte Predigt ist, die wir Christen haben; ein Licht in der Gesellschaft sind wir Christen nur, wenn wir nicht nur schön daherreden, sondern aktiv beitragen, dass es den schwächsten der Armen gut geht. Ich denke, die beiden hätten sich sehr gut verstanden. Ich will nun Begebenheiten aus der Vita Sancti Severini Revue passieren lassen und zeigen, was Severin in verschiedenen Situationen getan hat – und wie das mit Papst Franziskus zusammenpasst.

Von der ersten Szene in der Vita des Eugippius an macht Severin immer dasselbe: er bietet praktische Hilfe an, gepaart aber immer mit Aufruf zur persönlichen Umkehr. Wenn er Vorhersagen macht, und das tut er oft, Vorhersagen über bevorstehende Überfälle zum Beispiel, würden sie jedes Mal Menschenleben retten, wenn man ihm glauben würde; aber die echte Rettung geschieht immer nur durch Fasten, Beten in der Kirche und Buße. Denn es soll von Gott erbeten werden und nicht selber geschafft werden. Severin ist immer entsetzt, ja verzweifelt, wenn man große Wunder von ihm persönlich erwartet; wenn man glaubt, er selber könne das. Er vermag nichts! Wenn er aber echten Glauben vorfindet, dann wagt er das Wunder zu erbitten. Und die Wege des Severin sind nicht die der Welt.

Das sieht man ganz schön bei seinem allerersten Auftritt in Favianis, den wir uns hier einfach mal zu Gemüte führen müssen. Er kam ja zunächst nach Zeiselmauer, dann nach Tulln. Und dann wird er in den neuen Mittelpunkt seines Handelns gerufen. Die Bewohner von Mautern haben eine schlimme Hungersnot und rufen ihn. Er sieht sich die Lage an, empfiehlt den Bewohnern gemeinsames Gebet, Buße und Umkehr. Dann durchschaut er eine Witwe, die Getreide gehortet hat, und überzeugt sie, es zu teilen. Und erst nachdem diese sich bekehrt hat, kommen die Schiffe mit den reichlichen Gaben, die im Eis des Inns festgehangen waren.

Eigentlich irr: hungernde Menschen sollen fasten - aber die Logik Gottes ist eben eine andere als die der Menschen. Gott soll der Handelnde sein.

Warum gefällt uns Severin so sehr? Weil seine Wunder keine fliegenden Kühe sind. Weil sie sehr oft „realistisch“ sind. Vorstellbar. Kann sein, dass er von dem Horten der Witwe auch durch andere als göttliche Eingebung erfahren hat. Severin war ein Mann dieser Welt gewesen, bevor er zum Missionar wurde; immer gut informiert. Und es sind auch nicht Engel vom Himmel, die das Essen bringen, sondern verspätete Schiffe. Aber man erhält Hilfe erst aus Gottvertrauen, aus der Geste des Fastens und der Umkehr. Eine dringende Botschaft für unsere Zeit, in der wir alles machen, können, kaufen, selber verwirklichen zu können scheinen.

So in Kuchl/ Cucullis an der Salzach, wo man auf Severins Hinweis hin das scheinbar Unvernüftige tut. Die Geschichte ist großartig und markant für die Herangehensweise und Pädagogik des Heiligen. Severin wird in die Stadt gerufen, Heuschreckenschwärme drohen die ganze Ernste zu fressen. Anstatt auf den Feldern zu stehen und die Heuschrecken zu vertreiben, sollen die Menschen in die Kirche kommen und beten und Buße tun (wieder die Logik Gottes). Sie tun es – außer einem, der dem Heiligen nicht traut und sein Feld lieber selber rettet. Prompt sind am anderen Tag alle Felder unversehrt – außer seinem. Anders als vielleicht in anderen erbaulichen Geschichten wird der Sünder aber nicht von einem Blitz niedergestreckt; statt einer Strafpredigt fordert der Heilige alle anderen Bewohner auf, den reuigen Mann aus ihrem Überfluss zu ernähren.

Auf Gott soll man sein Vertrauen setzen. Aber man soll auch immer barmherzig sein. Ein erstaunlicher Teil der Botschaft Severins ist diese immer wiederkehrende Barmherzigkeit, zentrales Wort auch bei Franziskus. Die gefangenen Räuber werden mit Speise und Trank gestärkt und befreit; die Witwe nicht bestraft; der reuige Mann bei der Heuschreckenplage wird von allen anderen durchgefüttert. Die Gesten Severins, eines Mannes, der in einer großen Not- und Umbruchszeit auftritt, sind nie grimmig, streng und grausam, sondern sanft und hilfsbereit.

Severin führte immer den respektvollen Dialog mit Andersdenkenden; er war kein Eiferer und Fundi. Die Residenz des Königs der Rugier, Flaccitheus war ja genau gegenüber Mautern auf der anderen Donauseite – diese waren die eigentlichen Herrscher in der Gegend, nicht mehr die armseligen römischen Kastelle, und natürlich hat Severin sich auch deswegen in Mautern angesiedelt, weil er von hier direkt in einen Dialog mit ihnen eintreten konnte. Er geht stets respektvoll mit den Arianern jenseits der Donau um und wird auch von ihnen respektiert.

In der Folge gründet Severin ein Kloster, zieht sich aber selber gerne in eine Zelle in den Weinbergen zurück. Und doch versinkt er nicht in völliger Kontemplation, sondern wählt immer wieder die vita activa der Hilfe. Und seine Hilfe war immer ebenso spirituell wie praktisch; wir lesen, dass Severin Autorität ausübte und zu organisieren verstand. So wenig von seiner Biographie bekannt ist – man nimmt an, dass er ein hoher römischer Beamter war, bevor er seinen gesitigen Weg einschlug. Vielleicht erklärt das seine große Informiertheit und Geschicktheit. Severin machte vor, wie ein einziger Mensch mit seinem Leben ein soziales Netz über eine riesige Region aufbauen kann und wirklich einen Unterschied macht.

Aber Severin handelte immer gemäß dem Leitsatz, „...sie sollten nicht auf eigene Kraft vertrauen, sondern beharrlich beten, fasten und Almosen geben und sich so lieber mit den geistigen Waffen schützen.“

Und auch darin wird er wieder zum Vorbild für uns – keine Flucht aus der Welt, sondern aktives Engagement.

Severin ahnte seinen Tod voraus und plante alles enorm praktisch. Man solle ihn nicht zu tief eingraben, in wenigen Jahren würde hier alles überrannt und dann müsse man seinen Leichnam mitnehmen. Was dann 6 Jahre nach dem Tod auch geschah; heute ruht er in jener neuen Heimat der Bewohner von Noricum, in Italien nahe Neapel.

Zusammengefasst wirkt Severin gerade heute so gut, denn er ist ein Orientierungspunkt in beiden Richtungen - wer "nur" fromm ist, mag hier den caritativen Aspekt des Glaubens erlernen, wer mit Gott wenig anfangen kann, kann über tätige Hilfe auch den Glauben entdecken, auf eine unaufgeregte Weise.

...und Franziskus...

Werfen wir nun nach wenigen Monaten Pontifikat einen Blick auf Franziskus, den neuen Mann auf dem Stuhl Petri, dann finden wir doch erstaunlich viele Parallelen. Wer auf in den Medien und auf Twitter die entschlossenen Botschaften des Papstes verfolgt, weiss: es geht ihm um echte Gottesnachfolge – und um tätige Hilfe. Den caritativen Aspekt des christlichen Lebens hat wohl noch kein Papst vor ihm so radikal in den Mittelpunkt gestellt. Aber immer gepaart mit dem der inneren Umkehr.

Eine andere Sache sind die Gesten, die für sich sprechen. Über Severin hieß es: "Wobei er die Seelen seiner Zuhörer mehr durch Taten als durch Worte bildete."

Das ist eine massive Parallele zu Franziskus, der im Medienzeitalter mit Gesten seine Botschaft in die Welt trägt. Wir leben ja in einem Bildzeitalter; Texte schafft unsere schnelllebige Gesellschaft kaum noch. Gesten, Gesten, gesten: das nicht im Vatikan Wohnen – Franziskus lebt immer noch in Santa Marta, nicht im Papstpalast (Severin hatte eine eigene kleine Zelle in den Weinbergen außerhalb von Favianis und dem Kloster), die Bescheidenheit im Auftreten (Severins Schuhlosigkeit, seine Kargheit im Lebensstil), die vielen kleinen Gesten der Unterordnung und der Normalität; die ständige Bereitschaft zu helfen. Die Aufforderung des Papstes, sich nicht in vordergründig in lehramtlichen Diskussionen zu verstricken, sondern wieder ein Licht, eine Hoffnung in dieser etwas verlorenen Gesellschaft zu werden. Auch wir leben in einer Umbruchszeit – heute werden nicht römische Kastelle abgerissen, aber die Grundstrukturen der Familie und der Gemeinschaft bröckeln auseinander, es gibt vielfache, oft seelische Not.

Wie Severin in praktisch allen Notsituationen vertraut Franziskus auf die Macht des Fastens und gemeinsamen Gebets in der Krise. Wir haben erlebt, wie der Papst angesichts der Syrienkrise und unmittelbar vor dem bevorstehenden Angriff der Amerikaner alle Christen auf der Welt zu einem Fast- und Gebetstag für Syrien aufgerufen hat. Bischöfe auf aller Welt (so auch mein Chef, Bischof Küng) haben diesen Aufruf weitergegeben. Der Angriff fand nicht statt. Das mag im Endeffekt vielleicht viele Gründe gehabt haben, aber das Entscheidende ist die gemeinsame Unterordnung von Millionen Christen unter Gottes Hilfe gewesen. Franziskus hätte ja auch zu Demos aufrufen können.
Der Papst stellt die Barmherzigkeit in die Mitte seines Wirkens, das spüren alle Menschen. So wie Severin in allen Geschichten. Er geht auf alle zu, auf die, die vielleicht bisher an den Rad gestellt waren in der Kirche oder sich so gefühlt haben.

Franziskus sucht wie Severin den Dialog mit Andersdenkenden, mit Menschen anderer Religionen, ja sogar mit Atheisten. Er begegnet ihnen auf Augenhöhe, schreibt atheistischen Journalisten offene Briefe in Zeitungen, so dass sie sich ernstgenommen fühlen; so wie bei Severin auch.

Und es muss in Franziskus etwas geben, was die Menschen bewegt, von ihm Großes zu erwarten – so viele gar nicht christliche Menschen haben mir erzählt, wie die ersten gesten dieses schüchtern-bescheiden wirkenden Mannes sie tief bewegt haben, dass sie sich vorstellen könnten, der Kirche wieder eine Chance zu geben, wegen ihm; ähnlich wie auch Severin allein schon durch seinen Ruf und dann durch seine Persönlichkeit viele viele Menschen zur Umkehr und zu caritativen Werken bewegt hat.

Was bedeutet das für uns? Auch wir sollen uns inspirieren lassen, zu tätiger christlicher Nächstenliebe in einer schwierigen Zeit, angespornt von Franziskus in Rom, aber auch ganz besonders vom demütig zupackenden Severin von Noricum.

Letzter Aufruf – kaufen wir die schmale Vita – lesen wir sie in kleinen Häppchen, zum Beispiel eine Begebenheit am Abend vor dem Einschlafen – und ahmen wir den Mann nach.

Die Severinsgemeinschaft wurde 1959 gegründet, hat ihren Sitz in Heiligenstadt bei Wien und dient dem Ziel, den Hl. Severin in unserer Zeit bekannt zu machen und seine Verehrung zu pflegen.

Kontakt: severinsgemeinschaft@aon.at

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Lesereise zu Büchners 200. Geburtstag und TV-Auftritt

Ab Donnerstag darf ich als Gast der Goethe-Institute Nancy und Strassburg eine Lesereise mit meiner "Lena in Waldersbach" machen. Eine Klasse hat mir vorab bereits ein recht cooles Bild geschickt, das ich meinen Lesern nicht vorenthalten will...

 


Einige kleine Höhepunkte sind eine Lesung am morgigen 17. Oktober, dem 200. Geburtstag Georg Büchners, in Nancy, und eine Lesung am 18. in Strassburg, woran sich ein erster Besuch in Waldersbach in den Vogesen anschließen wird, den Schauplatz meines Romans. Dort werde ich das echte, nicht das fiktive, Pastorenehepaar treffen und ihnen endlich ein signiertes Exemplar überreichen.

Ein wenig fürchte ich mich vor Waldersbach; ich habe jetzt fast zwei Jahre im fiktiven Dorf gewohnt, so dass mir das echte weniger vertraut als vor allem fremd sein wird.

Und sollte wer "Habsburg in Ton und Bild" sehen wollen: gestern abend war ich zu Gast in der ORF III-Sendung "ErLesen" und habe über mein Buch, Bischof Küng, die Habsburger, das Alltagsleben in einer kinderreichen Familie und ähnliches geplaudert.

http://tvthek.orf.at/programs/3078549-Erlesen/episodes/6906563-erLesen

"Meine" Passage beginnt etwa ab Minute 18. Ich hatte jede Menge Spaß.

Montag, 14. Oktober 2013

Der Blog erwacht aus dem Sommerschlaf

Nach vielen Monaten Brachliegen regt sich in der Habichtsburg wieder Leben. Die acht Folgen der Servus-TV-Serie "Wo Grafen Schlafen" (Ausstrahlung voraussichtlich Anfang 2014) sind abgedreht, und nach einem chaotischen Dreiverteljahr bin ich wieder Vollzeit-Medienreferent für den Bischof von St. Pölten.

Die letzte Folge in Burg Clam hatte den besonderen Reiz, dass ich im Ritterkostüm Rudolfs von Habsburg (ca. Dürnkrut 1278) einige Stunden verbringen und drehen durfte.


Natürlich hat meine Arbeit für die kirchlichen Medien nicht geruht, wie meine Twitter-Follower wohl auch mitbekommen haben. Die Wahl von Franziskus habe ich auf sehr originelle Weise erfahren. Ich drehte gerate in Schloss Birstein in Deutschland. Als "weisser Rauch" verkündet wurde, war ich mitten in einer Szene. Ich musste diese noch in aaaaller Ruhe zuende drehen und habe den Balkonauftritt des Papstes auf einem Ipad einer der Schlossherren gesehen (und sofort mit dem Bischof die ersten Statements über Handy-Email vorbereitet).

Interessant waren diese 8 Monate auch, weil ich immer ganze Wochen lang auf Drehs mit den Filmleuten zusammenkam, meistens Menschen, die mit der Kirche gar nichts am Hut haben, und bemerkte, was für eine starke Wirkung Papst Franziskus auf alle ausübt. Viele sagten mir, "ich geh ja nicht in die Kirche, aber bei dem Papst könnte ich mir vorstellen, wieder anzufangen."

Jedenfalls werde ich mich von nun an auf Habichtsburg öfters melden.

In diesem Sinne. Ultreia.

Mittwoch, 8. Mai 2013

Warum es hier ein wenig still ist...

....regelmäßige Leser werden bemerkt haben, dass die Einträge in den letzten Wochen selten geworden sind. Das liegt an meiner Triplejobbelastung.

Job 1 ist Medienreferent bei Bischof Küng.

Job 2 ist meine Familie, besonders meine 6 Kinder, die ihr Recht beanspruchen. Das ginge noch, wenn ich derzeit nicht noch einen...

...Job 3 hätte und nebenbei seit Dezember als Moderator einer TV-Serie für Servus TV ständig auf Drehs wäre. Die Serie heißt "Wo Grafen schlafen", beruht auf meinem bei C. H. Beck erschienenen Sachbuch und führt in jeder der 8 Folgen durch ein anderes Schloss. Ich moderiere die Folgen zusammen mit der bekannten Schauspielerin Jessica Schwarz.

Eine völlig neue Erfahrung für einen 46jährigen, zum ersten Mal massiv vor der Kamera zu stehen - und doch eine Tätigkeit, die für einen bischöflichen Medienreferenten eigentlich naheliegend sein sollte. :)  Zugleich natürlich eine Chance, besser in die TV-Landschaft einzutauchen und nebenbei mein Buch bekannter zu machen.

In der zweiten Jahreshälfte kann ich mich wieder hauptsächlich meinem "Job 1" zuwenden und damit diesem Blog. Die Serie wird bei Servus TV voraussichtlich ab Herbst/Winter ausgestrahlt werden.

Donnerstag, 11. April 2013

"One of Us" kann es schaffen, wenn....



...ja, wenn jede und jeder sich angesprochen fühlt und die paar Minuten zum Unterzeichnen nutzt. Ich habe es schon getan.

Heute hat Bischof Klaus Küng in einer Aussendung dringlich appelliert, diese Bürgerinitiative zu unterstützen. Zumindest in Österreich ist nur noch bis Anfang Mai Zeit.

Hier der Text des Bischofs, ohne weiteren Kommentar:

   "Nur noch zwei Wochen, dann läuft die Eintragungsfrist für die Bürgerinitiative
„One of Us“ab. Nun hat der St. Pöltener Familienbischof Klaus Küng einen dringlichen Appell gestartet, diese Initiative zu unterzeichnen, die das Ende der Finanzierung aller Aktivitäten fordert, in deren Zusammenhang Embryonen zerstört werden. „Embryonen sind kein Rohstoff“, so der St. Pöltener Bischof wörtlich. „Wer über 16 Jahre alt ist und ein klares Zeichen für die Würde des Menschen setzen will, sollte daher unbedingt unterzeichnen – besser heute als morgen.“


   Bischof Küng verwies darauf, dass sich am 1. Mai das Fenster schließe und die Chance dann vorbei sei. „One of Us“ könne es nur schaffen, europaweit auf eine Million Stimmen zu kommen, „wenn in den nächsten Tagen möglichst viele engagierte Menschen in Österreich sich aufraffen und, entweder online oder auf einer ausgedruckten Unterschriftenliste, ihren Namen unter die Initiative setzen. Nötig dazu ist der Reisepass oder der Personalausweis. Ich selber habe schon unterschrieben und bin dankbar für alle, die möglichst bald diesen Schritt setzen.“


   „One of us“ ist ein Bündnis von Bürgern und Organisationen aus über zwanzig Mitgliedsstaaten, das EU-Finanzierung für Embryonale Stammzellforschung stoppen will. Dabei werden Embryonen zu Forschungszwecken zerstört, obwohl es ethisch unbedenkliche Alternativen gibt, die häufig sogar die besseren Ergebnisse erzielen. Das Bündnis nutzt das neue Instrument der Europäischen Bürgerinitiative, um dieses Anliegen vor die EU-Kommission zu bringen. Wenn eine Million Unterschriften zusammenkommen, müssen EU-Kommission und Parlament verbindlich zur Petition Stellung nehmen. Übrigens: Das Anliegen der Initiative stimmt mit der Position der österreichischen Regierung überein. 


   Alle EU- Bürger können online unterzeichnen, österreichische Staatsbürger können dies auch auf Papier tun. Einen Link zur Online-Unterschrift sowie Unterschriftenlisten zum Ausdrucken findet man unterwww.lebenskonferenz.at. Dabei ist zu beachten, dass auf den österreichischen Papierlisten nur österreichische Staatsbürger ab 16 Jahre unterzeichnen können. Bitte Pass- oder Personalausweisnummer angeben und alle erfragten Angaben korrekt ausfüllen, da die Unterschrift sonst ungültig ist. "





 



Samstag, 30. März 2013

Karsamstagshomilie des Epiphanius

Am Karsamstag wird es still. Man wartet auf die Osternacht. Christus ruht im Grab. Und ich lese immer einen der stärksten geistlichen Texte, die ich kenne - eine Meditation über den Abstieg des Herrn in das "Reich des Todes". Vor drei Jahren gab es ihn online nur ganz auf englisch, seit kurzer Zeit findet man ihn hier und da auch auf deutsch. Ich finde, viel mehr Menschen sollten ihn am Karsamstag zu einer "Tradition" machen....

Ohne weitere Verzögerungen - die Homilie zum Karsamstag des Epiphanius:

Epiphanius (+ 515) zugeschrieben

"Aus einer Homilie am großen und heiligen Sabbat.

Der Abstieg des Herrn in die Welt des Todes

Was ist das? Tiefes Schweigen herrscht heute auf der Erde, tiefes Schweigen und Einsamkeit. Tiefes Schweigen, weil der König ruht. "Furcht packt die Erde, und sie verstummt" (Ps 76,9), weil Gott - als Mensch - in Schlaf gesunken ist und Menschen auferweckt hat, die seit unvordenklicher Zeit schlafen. Gott ist - als Mensch - gestorben, und die Unterwelt erbebt. Gott ist für kurze Zeit in Schlaf gesunken und hat die in der Welt des Todes auferweckt (vgl. Mt 27,52).

Er geht auf der Suche nach dem erstgeschaffenen Menschen wie nach dem verlorenen Schaf (vgl. Luk 15,3ff). Besuchen will er, "die völlig in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes" (Lk 1,79). Er kommt, um den gefangenen Adam und die mitgefangene Eva von ihren Schmerzen zu erlösen, er, zugleich Gott und der Eva Sohn (vgl. Gen 3,15).

Er fasst Adam bei der Hand, hebt ihn auf und spricht: "Wach auf, Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein!" (Eph 5,14) Ich habe dich nicht geschaffen, damit du im Gefängnis der Unterwelt festgehalten wirst. "Steh auf von den Toten!" Ich bin das Leben der Toten. Steh auf, mein Geschöpf, steh auf, meine Gestalt, nach meinem Abbild geschaffen! Erhebe dich, lass uns weggehen von hier! Du bist in mir und ich in dir (vgl. Joh 17, 21.23), wir sind eine unteilbare Person. Deinetwegen wurde ich dein Sohn, ich, dein Gott. Für dich nahm ich, der Herr, deine Knechtsgestalt an. Für dich kam ich auf die Erde und unter die Erde, ich, der über den Himmeln thront. Für dich, den Menschen, bin ich ein Mensch geworden "ohne Hilfe, frei unter den Toten" (Ps 88, 5.6 (LXX)). Du wurdest vom Garten ausgestoßen, ich wurde vom Garten aus den Juden überliefert und in einem Garten begraben.

Sieh den Speichel in meinem Gesicht! Deinetwegen ließ ich es geschehen, um dir den Anhauch des Ursprungs wiederzugeben (Gen 2,7). Sieh die Backenstreiche, die ich empfing, um deine verderbte Gestalt nach meinem Bild wiederherzustellen.

Sieh die Spur der Geißelhiebe auf meinem Rücken, die ich mir gefallen ließ, um deine Sünden zu vernichten, die auf deinem Rücken lasten. Sieh meine Hände, die so glückverheißend mit Nägeln an das Kreuz geheftet sind, deinetwegen: denn du strecktest (einst) zu deinem Unglück deine Hände aus nach dem Holz. Ich entschlief am Kreuz, und die Lanze durchbohrte meine Seite, für dich, denn im Paradies fielst du in Schlaf und brachtest aus deiner Seite Eva hervor. Meine Seite heilte die Wunden deiner Seite. Mein Schlaf wird dich aus dem Schlaf der Totenwelt herausführen."

Sonntag, 24. März 2013

Ostern: Eintreten in den uralten Kreis

Der Beginn der Karwoche ist für mich jedes Jahr etwas Besonderes. Wenn plötzlich der Palmsonntag da ist und mich immer in der Geschäftigkeit des Alltags überrascht, bin ich jedes Jahr gleich wenig bereit für das größte Wunder des Kirchenjahres. Und dennoch nimmt das, was für mich der Höhepunkt des Lebens als Christ ist, mich mit seiner ganz eigenen Pädagogik jedes Jahr gefangen und zieht mich in den uralten Kreis. Von Palmsonntag bis Ostersonntag spannt die Liturgie eine feine Regie, ein Gesamtkunstwerk für den, der es entdecken will, wie es sonst kaum etwas gibt. Da fühle ich, wie ich in etwas eintrete, das größer als die Summe seiner Teile ist.

Mit vielen sinnlichen Zeichen kommt uns die Kirche entgegen, um den Sinn der Kartage zu erschließen. Im Dorf, in dem wir leben, ist es vor allem das Marathonerlebnis des Ratschens, wenn man von nachtschlafender Dunkelheit bis am Abend die Kinder im regelmäßigen Rhytmus in die Kälte hinausschickt, um den "englischen Gruß" vor den Häusern des Dorfes auszurufen und die Holzratschen zu drehen. Dazu kommt das Fasten des Karfreitages, die Stille der Glocken ab Gründonnerstag abend, die Holzklappern in der Liturgie und viele andere Details.

Und da ist das große Triduum von Gründonnerstag bis zur Osternacht. Ich habe erst recht spät (Buchtipp unten) erklärt bekommen, wie diese drei Feste liturgisch zusammenhängen; dass sie eine Gottesdienstfeier sind. Der Gründonnerstag hat eine Eröffnung, aber keinen Schlusssegen; er endet mit dem leeren Tabernakel, dem Umzug des Allerheiligsten in einen Nebenaltar und im Schweigen; im selben Schweigen und ohne Messeröffnung beginnt der Karfreitag und endet ohne Schlusssegen, in der Leere der Todeserfahrung; auch die Osternacht beginnt "offen", am Osterfeuer, erst am Ende der Osternacht erfolgt wieder ein Segen, und die Liturgie ist abgeschlossen.

Also: weil wir selber oft den Schritt in einen Einkehrtag nicht schaffen - lassen wir uns durch den stärksten Einkehrtag, der zu uns kommen kann, überrumpeln; lernen wir wieder das Staunen darüber, dass Gott für uns gestorben und auferstanden ist; horchen wir durch allen Stress, den wir in dieser Handy-Internet- Email-Twitter-Welt oft auf uns laden, auf die Stimme, die an Ostern besonders deutlich zu uns sprechen will. Nutzen wir die Zeit.

Eine weitgehend unbekannte Stadt sollte man mit einem Führer entdecken. Für alle, die hinter die Kulissen der Karwoche schauen und die vielen Elemente erkennen lernen wollen, die das Wunder der Osterliturgie ausmachen, gibt es Ulrich Engels "Die Liturgie der Karwoche und der Osternacht", ein ebenso handlicher wie wesentlicher Wegweiser durch die Heiligen Tage. Er passt sogar notfalls in die hintere Hosentasche, wenn man noch kurz vor der Messe nachlesen will, was jetzt kommt (oder es den Kindern auf der Fahrt zum Gottesdienst vorlesen). Nutzen wir die Zeit.

Dienstag, 19. März 2013

Franziskus: alle spähen in die Glaskugel

Der Papst ist noch gar nicht eingeführt, da geht schon das große Spekulieren los. Wird Franziskus alles ändern? Ist er eher liberal? Eher konservativ? Wirft er alles über Bord, was gut und heilig ist? Zum Teil hat Jorge Bergoglio das natürlich selber mit verantwortet, dadurch, dass er in den ersten Minuten, Stunden, Tagen starke optische wie inhaltliche Zeichen gesetzt hat, die ahnen lassen: dieser Papst wird viel anders machen; wir werden uns von manchem Liebgewonnenen verabschieden müssen.

Den neuesten "herumgemailten" Artikel hat Alexander von Schönborg in der "Welt" verfasst.

http://www.welt.de/kultur/article114537303/Auch-Bescheidenheit-kann-Arroganz-sein.html

In einem geschliffenen Deutsch und mit viel Sachkenntnis sammelt von Schönburg wie in einem Brennglas alle Bedenken und das Unbehagen der "konservativen Reichshälfte": Er sieht die Wahl als Kontinuitätsbruch, als Triumph der "Gegner Ratzingers", deutet genau die Machtverhältnisse, die die Wahl herbeigeführt haben, vermutet eine vorgeschobene Bescheidenheit, um alle einzulullen, eine ungesunde Verquickung von Amt und Person, und dahinter einen Masterplan zum Umkrempeln von Weihepriestertum, Papstamt etc.

Ich schätze Alexander v. Schönburg sehr und denke, er hat einen scharfsinnigen Artikel geschrieben. Doch - darf ich alle bitten, jetzt einen Schritt zurückzutreten? Wir sprechen hier nicht von einem brillianten Maulwurf, der es dank eines linken Netzwerks geschafft hat, allen Kardinälen Sand in die Augen zu streuen, um den wahren Glauben zu zerstören. Wir reden vom 266. Nachfolger Petri, unserem neuen und aktuellen Papst, der mit großer Mehrheit von den Kardinälen der katholischen Kirche gewählt worden ist; unterstützt von (mindestens) über 300.000 Betern, die konkret für diese "adoptierten" Kardinäle gebetet haben.

Bitte, verfallen wir doch nicht in die journalistische Falle, das alles rein immanent zu sehen, als ein Macht-Hickhack zwischen Fraktionen. Wir glauben, dass der Heilige Geist bei der Papstwahl dabei ist. Wenn er nun einen Mann hat Papst werden lassen, der uns auffordert, einen Schritt voran zu gehen, zum Beispiel auf die Armen zu, dann sollten wir diesen Schritt mutig mitmachen und uns freuen. Nochmals: Wir reden hier vom PAPST. Wir dürfen uns vertrauensvoll unter seine Führung stellen. Auch wenn er gewisse Kleidungsstücke nicht anzieht, wenn er auf die Loggia tritt. Manche unserer Großeltern waren damals sicher entsetzt, als die Sedia Gestatoria und die Pfauenfedern abgeschafft wurde. Fehlen sie mir? Nein.

Ich habe mit einem einfachen Priester gesprochen, der Franziskus als Bischof in Südamerika über einen längeren Zeitraum kennen lernen durfte. Er sagt, es ist wirklich alles echt: die Bescheidenheit, die Liebe für die Armen, der Humor. Dann sagte er mir zwei Dinge, die für mich zentral sind: "Er ist immer für seine Priester da." und "Er ist wirklich, wirklich gläubig." Für mich ist das genug, das und sein Blick, wenn er bei der Wandlung den Leib Christi erhebt, dieser lange Blick der Zwiesprache.

Gestern sagte meine Frau im Gespräch zu mir: "Ich habe das Gefühl, es beginnt ein Einkehrtag, wo dieser Mann uns in die Tiefe führen wird. Er wird Seiten unseres Glaubens öffnen, die verkümmert waren. Das wird nicht immer bequem sein, aber großartig."

Besser könnte ich es nicht zusammenfassen.

Donnerstag, 14. März 2013

Willkommen, Franziskus!

Wieder einmal hat das Konklave seine einzigartige Seite gezeigt. Niemand der großen Favoriten ist es geworden, die Kommentatoren, die seit Wochen immer dieselben Namen nannten, oft aus einer "Macht"-Analyse heraus, oft auch verzweifelt voneinander abschreibend, sie lagen allesamt daneben. Und ahnten es die ganze Zeit. Dafür dem Großen Regisseur (und den Kardinälen) von Herzen DANKE! Wer meine Tweets und meinen Blog liest, weiß, dass ich mich seit Wochen darüber ärgere, wie eine Papstwahl wie jede X-beliebige Vorstandwahl betrachtet wird - und dass ich allen Freunden und Journalisten bei der Frage nach dem zukünftigen Papst immer gesagt habe, dass sie vom Konklave überrascht sein werden. Wenn der Deckel auf den Suppentopf Sixtinische Kapelle gesenkt wird, dann entsteht dort ein Gericht, das so gar nicht den Zutaten und Erwartungen entspricht, die hineingegangen sind.

Denn der Koch ist wirklich ein anderer.

Franziskus wirkt nach dem ersten Eindruck am Balkon und der nächtlichen Lektüre von Medienberichten: bescheiden, den Armen nahe, klar in Ehe und Familie, unbekümmert vor den Medien, unkompliziert und humorvoll.

Wir dürfen viel von ihm erwarten.

Montag, 11. März 2013

Und jetzt PSSST!

Morgen beginnt das Konklave. Wir haben alles gehört von den ratlosen Vatikanisti und den Kommentatoren, wir wissen, wer die Favoriten sind, wer womöglich schon wie viele Stimmen hat, welche Fraktionen sich gegenüber stehen und welche politischen, organisatorischen heißen Eisen der neue Papst angehen müssen wird. Ich fände, es würde allen ganz gut tun, jetzt mal die KLAPPE ZU HALTEN und still zu werden.

Morgen beginnt etwas Aussergewöhnliches. Es beginnt ein Prozess, bei dem fehlbare Menschen unter besonderen Umständen versuchen, zu erraten, wen Gott im Voraus zum Papst bestimmt hat. So ähnlich wie die Wahl der Apostel damals, um nach der Auferstehung den Nachfolger des Judas zu bestimmen. Das ist nicht in erster Linie ein politischer Akt. Sondern ein geistliches Event. Wer jetzt nicht still wird und die Gegenwart Gottes sucht, riskiert wirklich, das Wesentliche zu verpassen.

Nehmen wir doch ernst, was die Kardinäle, die in Rom versammelt sind, in den letzten Tagen immer wieder gesagt haben. Sie baten in Blogs, Predigten, Interviews und Tweets vor allem um eines - um unser Gebet. Das waren keine Floskeln, das ist keine augenzwinkernde Wahlkampfrhetorik. Das sind Männer, die wirklich glauben, dass sie eine Aufgabe im Angesicht Gottes haben - und nicht Vorstandsmitglieder, die einen neuen Vorstandsvorsitzenden wählen. Die Kardinäle fühlen im Moment die drückende Größe ihrer Verantwortung. Also: Haben Sie heute schon für das Konklave, für die Kardinäle gebetet? Für den neuen Papst?

Nochmals: PSSSSSST. Münder zu. Ohren auf. Ein Konklave begleitet man nicht am Besten mit den Fingern auf der Tastatur, sondern mit gefalteten Händen. Es geht ums Ganze. Es geht um den richtigen neuen Papst für unsere Zeit.

Montag, 25. Februar 2013

Kein Donnerstag wie jeder andere

Die erste Aufregung hat sich gelegt, der Papstrücktritt hat die Kolumnen beschäftigt, und wie zu erwarten war, hat man, in Lob diskret verpackt, das Pontifikat Benedikt XVI. doch noch möglichst heruntergemacht, kleingeredet, als gescheitert erklärt. Gewissermaßen, um sich selber recht zu geben, als man damals, nach der Wahl des Deutschen, von einem "Übergangspapst" gesprochen hat. Jetzt richten sich die Blicke nach vorne. Zu schnell, finde ich.

Für mich (und für viele, viele andere) war das ein großes, ein sehr großes Pontifikat. Mich hat es die letzten Jahre getragen, zu wissen, dass Joseph Ratzinger, ein Theologe, der einmal neben Augustinus im Regal stehen wird, dass dieser bescheidene und tiefgläubige Bayer auf dem Stuhl Petri sitzt. Mein erster Eindruck im Moment der Wahl war: das ist der Mann, der in einer immer mehr sich vernebelnden Zeit, auch bei ethisch sehr diffizilen Themen, mit der Klarheit eines Skalpells Antworten geben wird. Ich habe mich darin nicht getäuscht. Und genau deshalb fühle ich mich ab Donnerstag dieser Woche, 20h, verwaist. In der Messe wird der Name des Papstes nicht mehr genannt. Der Fels wird sich auf den Berg zurückziehen, um zu beten. Natürlich vertraue ich auf den Heiligen Geist, aber erst einmal wird da für einige Wochen ein Loch sein.

Und deshalb ist der kommende Donnerstag der Tag, an dem wir unserem heiligen Vater danken sollten. Indem wir in unseren Dörfern und Städten 15 Minuten lang die Glocken läuten.  Indem wir aber auch um 20h, wenn er zum letzten Mal den (Blei)stift als Papst beiseite legt, über Facebook, Twitter, über Email und SMS die Kommunikationskanäle übernehmen sollten. Wir sollen ihm danken, von einem einfachen "Vergelt's Gott, Benedikt" über ein bayrisches "Pfüat di" bis zu längeren Botschaften. Lassen wir die ganze Welt spüren, dass ein großer Moment da ist, dass ein großer Papst geht.

Dienstag, 12. Februar 2013

Der Papst tritt zurück...

,,,es lebe der Papst.

Klar, die Meldung gestern über den Rücktritt Benedikts XVI. hat uns alle sehr erschüttert. Weil wir einen großen kirchenhistorischen Moment erleben. Weil wir diesen Mann kennen und wissen, dass er sich so eine Entscheidung mit großer Tragweite sicher nicht leicht gemacht hat. Und vielleicht auch ein wenig, weil es so völlig überraschend kam, mitten im Jahr das Glaubens und ohne, dass irgend ein Vati geleaked hat oder eine gut informierte Quelle Andeutungen gestreut hat.

Einige meiner Freunde, mit denen ich telefonierte (ich hatte gestern viele solche Gespräche, wie man sie nur an bedeutsamen Tagen hat, wo Freunde einfach miteinander sprechen wollen) - waren ratlos. Andere waren euphorisch über den Mut und die Konsequenz. Einige waren wütend und nahmen dem Papst diesen Schritt übel. Alle waren bewegt. Ich denke, auch Benedikt wußte gestern vormittag, dass innerhalb weniger Stunden jeder Katholik weltweit darüber sprechen würde. Wer kann ermessen, wie oft er das Für und Widers erwogen hat? Wo er ein so aufrechter, ein so korrekter, ein so der Verantwortung verpflichteter Mensch war und ist? Ich weiß das für mich, weil ich ihn persönlich kennen lernen durfte, ihn für meine Doktorarbeit interviewt habe und auch so über die Jahre immer wieder getroffen habe.

Mir hat etwas geholfen, was Bischof Küng gestern dem ORF gesagt hat: "Der Geist Gottes hat die Kirche nie verlassen und das wird auch jetzt sich so zeigen." Das ist etwas ungemein Tröstliches. In der Bewegung darüber, dass uns "unser" deutschsprachiger Papst genommen ist, vergessen wir oft, wie lange die Geschichte mit den Päpsten schon währt und auf wie unglaubliche Weise doch das Wirken dieses geheimnisvollen Geistes in schon viel schwierigeren Momenten die Kirche getragen hat. Es kam immer ein neuer Papst, der richtige für die neue Zeit, und so wird es wieder passieren und (unter uns gesagt) auch noch lange, nachdem wir alle zu Staub zerfallen sind. Das hat etwas ungemein Tröstliches und Stützendes. Wir dürfen uns allerhöchstens für einen Monat verwaist fühlen, dann ist alles wieder beim "Neuen Alten". Den wir glauben, dass wir von Gott getragen sind.

Der Papst tritt zurück - es lebe der Papst.

Donnerstag, 31. Januar 2013

Spannende Broschüre „Der Gute Weg“



In den letzten Tagen ist eine spannende und m. E. notwendige Broschüre von Klaus Küng, Bischof von St. Pölten und „Familienbischof“ von Österreich, fertiggeworden. 




Bischof Küng schreibt ein engagierte Plädoyer für den "katholischen Weg" im Bereich der Ehe und der Sexualität. Und er bringt, 45 Jahre nach "Humanae Vitae" und der darauf folgenden Marientroster Erklärung, handfeste Argumente. Warum besteht die Kirche eigentlich auf ihren Positionen zur Sexualität? Warum sind Katholiken gegen Pille und Kondome und leben die Natürliche Empfängnisregelung? Ist das nicht unzeitgemäß? Oder stimmt es sogar, dass immer mehr Paare diesen Weg gehen? Dass es gerade heute sinnvoll ist? Dass man damit... glücklich wird?

Diesen und anderen Fragen geht der Bischof in der neuen Broschüre nach. Sie ist klein, handlich, passt in die hintere Hosentasche und behandelt viele brisante Fragen. Zudem enthält sie die aktuellsten Links, um sich auch praktisch über das Thema zu informieren, und Literaturhinweise. Bischof Küng in seinem Vorwort: 

„Angesichts einer zunehmenden Orientierungslosigkeit sind es die bewährten Lebensweisen, die langfristig wirklich erfüllende Antworten geben. Sie lassen Paare tiefer in der Liebe wachsen und bestehen auch vor moderner Forschung und Wissenschaft. Der GUTE WEG ist eine Einladung an viele, sich auf den >katholischen Weg< einzulassen.“

Eine Einladung an alte und junge Paare, Pädagogen, Lehrer, Engagierte etc. Die Broschüre sieht man sich am Besten auf der Homepage


an, wo man alle Links findet und den Text als pdf downloaden kann.

Wer es gerne gedruckt hat, kann sie zudem bestellen, über bischof.sekretariat@kirche.at. 

Dienstag, 29. Januar 2013

Bittere Tipps für Jungautoren

Anläßlich des gestrigen Erscheinens von LENA IN WALDERSBACH habe ich die toughen 8 Ratschläge meines Verlegerfreundes Johannes Thiele wieder hervorgekramt - Tipps für den Autor, wenn sein Roman frisch erschienen ist.



TIPPS FÜR JUNGAUTOREN

1. Fragen Sie in einer Buchhandlung niemals, niemals, niemals als Autor nach Ihrem Buch.

2. Wenn Sie sich schon als Autor zu erkennen geben, dann interessieren Sie sich gefälligst für ANDERE Bücher. Fragen Sie nicht nach Büchern, die Sie nicht kaufen wollen. Der Schuß könnte nach hinten losgehen.

3. Widerstehen Sie unbedingt der Versuchung, die Auslage oder Präsen-tation in der Buchhandlung umzudekorieren, also zum Beispiel Ihr Buch besser sichtbar oder auffälliger zu platzieren.

4. Setzen Sie Buchhändler nicht unter Druck, indem Sie auf TOLLE Re-zensionen hinweisen – er fühlt sich dadurch wahrscheinlich in seinem Einkaufsverhalten kritisiert.

5. Tragen Sie Ihr Buch nicht ständig mit sich herum, zeigen Sie es nicht allen ungefragt. Bekämpfen Sie Ihren verständlichen Stolz. Ein Buch ist NICHTS Besonderes. Auch nicht Ihres.

6. Je gespannter Sie befreunde Personen nach ihren Leseerfahrungen und Reaktionen fragen, desto positiver werden die Feedbacks sein. Brauchen Sie jedoch Bestätigung, ist dieses Verfahren aber korrekt (in der Medizin nennt man es Placebo-Effekt – er ist absolut harmlos).

7. Packen Sie die Belegexemplare aus, stellen Sie ein Exemplar ins Regal, verteilen Sie die restlichen Exemplare NICHT unter Freunden und Verwandten, sondern verstauen Sie sie komplett in den Keller.

8. Denken Sie nicht mehr an Ihr soeben veröffentlichtes Buch. Lassen Sie sich durch Rezensionen nicht ablenken oder verunsichern (Sie lernen NICHTS daraus). Beginnen Sie endlich mit Ihrem neuen Buch.

Mittwoch, 16. Januar 2013

Eine normale englische Messe

Gestern hatte ich wieder einmal ein Erlebnis. Ich besuchte eine englischsprachige Messe in Österreich. Nach einer Weile fiel mir auf, dass meine Antworten immer falsch waren. Das erstaunte mich deshalb, weil ich von früher her eigentlich gut in der englischsprachigen Messe zu Hause bin. War das eine Gemeinde mit eigenen Formulierungen? Oder machte man die Dinge in den USA anders als etwa in Großbritannien?

Ich horchte genauer hin. Der Priester sagte: "The Lord be with you". Die normale Antwort wäre "and also with you". Stattdessen war ich der einzige, der das (etwas zu laut) sagte, alle um mich antworteten "and with your spirit." Ich hatte diese Antwort noch nie irgendwo gehört, aber natürlich wirkte sie seltsam vertraut, wenn man an "und mit deinem Geiste" denkt.

Dann fiel der Groschen.

Ich wohnte zum ersten Mal einer Messe nach dem neuen englischen Messbuch teil! Jetzt achtete ich genauer auf die Worte - und begriff plötzlich, was Kadinal Pell damals bei der Vorstellung der neuen Texte etwas pointiert gesagt hatte: "Die Sprache eines Barbacues ist nicht angemessen für die Heilige Messe." Das Ziel der Neuübersetzung war eindeutig, sich dem auf der ganzen Welt gültigen Originaltext anunähern. Tatsächlich hatte die Formulierung "The Lord be with you - and also with you" immer etwas kumpelhaftes für mich,á la "Servus! - auch schön, dich zu sehen" zwischen Priester und Gemeinde Die neue Formulierung "and with your spirit" klingt geistiger - und vor allem, sie ist plötzlich einem deutsch denkenden Ohr ganz vertraut. Das ist der Text der Messe, den ich seit meiner Kindheit kenne.

Mir waren auch immer schon die Wandlungsworte auf englisch aufgestoßen - "when supper was ended he took the cup", das hatte immer einen Hauch von legerer Küchenatmosphäre ("Tass Kaff'") und riss mich regelmäßig aus der Betrachtung. Nun heißt es "when supper was ended, he took the chalice". Schöner. Würdiger.

Ich überspringe viele kleine Änderungen und komme zu einer Stelle kurz vor der Kommunion.Da kommt das "Herr, ich bin nicht würdig". Früher sagte man: "Lord, I am not worthy to receive you, but only say the word and I shall be healed." Der neue Text ist schöner, reicher und vor allem näher am Evangelientext: "Lord, I am not worthy that you should enter under my roof, but only say the word and my soul shall be healed."

Dass die Wandlungsworte  beim Kelch lauteten "which will be poured out for you and for many" brauche ich nicht extra zu erwähnen.

Fazit? Es war mir einfach jahrelang nich aufgefallen, welche Abkürzungen und Sonderformulierungen die englischsprachige Messe gehabt hat. Der neue Text ist ein Schritt auf größere Beheimatung der Texte in der Weltkirche hin - und man geht in die Tiefe. Natürlich gab es einen furchtbaren Aufschrei in der englischen Welt, natürlich weigerten sich viele Priester, die Änderungen mitzutragen. So wie das auch hierzulande beim Wunsch des Papstes geschah, die Wandlungsworte in den ursprünglichen Wortlaut zurückzuführen. Ich finde, die Aufregung ist hier wie dort künstlich. Das englische Experiment ist für mich gelungen, und man darf in diesem Sinne gespannt sein auf das neue deutsche Messbuch und auf die Änderungen dort.

Dienstag, 1. Januar 2013

Eine Nacht wie jede andere?

Ein allerseits schönes 2013 wünsche ich. Das Jahr ist ja erst einige Stunden alt, da geht das noch gut. Normalerweise mache ich mir nichts aus Sylvester und Neujahr, denn erstens ist für mich die Weihnachtszeit mit ihren Festen viel stärker im Erleben verankert, und zweitens ist man mit 6 Kindern immer dankbar, wenn man schlafen kann; auch und besonders in der Sylvester-Nacht. Heute durften wir durchschlafen. Danke.

Ich bin mir auch sonst nicht ganz sicher, wie man einer Nacht mit Datumswechsel so viel Bedeutung beimessen kann. Eigentlich eine Nacht wie jede andere. Und doch war da heute morgen ein kleiner Moment. Als ich einer Journalistin, die in den USA war, um 5h morgens auf ihren Neujahrsgruß auf Twitter antwortete. Für sie war es 23h, sie war noch eine Stunde im alten, vertrauten Jahr zuhause; ich war bereits ins neue, unbekannte 2013 hinausgeworfen, und die Luft war dort kalt und fremd. Ein wenig beneidete ich die Kollegin, die in der alten Geborgenheit saß, ohne es zu wissen; in wenigen Stunden würde sie sich in etwas Neuem zurechtfinden müssen.

Also doch nicht eine Nacht wie jede andere?