Montag, 13. August 2012

Wie schreibt man Thukydides?

Eine kleine Leseempfehlung für einen Atheisten heute. Wer den Literatur und Reise-Blog von Dr. Christian Köllerer noch nicht kennt -  und wer mit seinen gelegentlichen bösen Seitenhieben auf religiöse Themen leben kann...

...der wird hier einen passionierten Anwalt für Klassiker finden, einen Mann, der mit Goethe in der U-Bahn sitzt und das auch sehr unterhaltend auf Twitter ( @philoponus ) vermittelt. Denn wer ausser einem echten Passionierten könnte folgende Worte über den "Kanon" der Literatur im Allgemeinen schreiben?

 
"Man kann über den “Kanon” sagen, was man will: Meiner Leseerfahrung nach sind Bücher, die seit Jahrhunderten (von längeren Zeiträumen nicht zu reden) die unterschiedlichsten Leser faszinierten, gewinnbringender als zahlreiche andere Druckerzeugnisse. Keine finstere Verschwörung ist die Ursache dafür, dass Homer oder Herodot oder Platon oder Plutarch oder Augustinus (…) immer wieder passionierte Leser fanden und finden, sondern die erstaunliche Qualität und Aktualität ihrer Werke."

Und dann plädiert Köllerer einfach so für die Lektüre von Thukydides' Peloponnesischem Krieg. Es ist heutzutage schon mutig, einen dicken griechischen Klassiker zu lesen und dann über social media noch für seine brennende Aktualität zu plädieren; aber das ist Köllerers Linie, siehe etwa April 2011; da schrieb er einen Post, der wie ein seriöserer großer Bruder zu meinem "Klassiker sind von gestern" wirkt: "Soll man noch Klassiker lesen?"

Er hat mir jedenfalls Lust gemacht, Thukydides zu lesen - wie alle "Menschen von gestern" habe ich das Reclam-Heft natürlich noch irgendwo im Regal stehen. Ich finde alle Menschen, die so etwas heute von sich geben, unterstützenswert.

Auch wenn wir in Sachen Gott vermutlich getrennte Wege gehen...

Kommentare:

  1. Danke. Twitter ist korrekt @philoponus :-)

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  2. Das alles spricht mir, als altem Lateinpauker, aus tiefster Seele. Danke!

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. Daß man sich mit Herrn Köllerer vertragen, bestätige ich. Wir tauschen uns seit 1995 über Bücher und unser Leben aus. Und mir als pausierenden Katholiken und praktizierender Bibliomane hat dies nicht geschadet.

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  5. Danke für die Rückmeldungen. Ich habe hingegen die unerwartete Freude erleben dürfen, dass mein 11jähriger, Harry-Potter und Donald Duck-lesender Sohn auf mein Drängen hin plötzlich Caesars Gallischen Krieg in der Reclam-Ausgabe liest. Er tut es aus den falschen Motiven (Caesar gewinnt immer), aber er tut es. Besonders toll findet er, dass Caesar das alles selber geschrieben hat! Das heißt, er ist in seinem Kopf. Und wenn er durch ist, will er den Bellum Civile lesen...

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