Freitag, 27. Juli 2012

"Legen Sie ihren lächerlichen Kinderglauben ab"

 Das heutige Tagesevangelium von der Brotvermehrung erinnerte mich an eine interessante Episode in meinem Studium. Ein Theologiestudent erzählte mir (Philosophiestudenten) eines Tages in Würzburg von seinem Professor. Als es um die Episode der Brotvermehrung ging, erläuterte dieser seinem Hörsaal erst ausgiebig, dass Jesus natürlich nur die Menschen dazu gebracht hätte, ihr mitgebrachtes Essen zu teilen, das sei eh das viel größere Wunder, und überhaupt sei das eine Erzählung in der Tradition des Märchens usw. Als der Student dann gegen Ende der Stunde schüchtern fragte, ob man nicht zumindest als Hypothese die Möglichkeit erwägen sollte, dass es ungefähr so passiert sei, wie es im Evangelium stehe, da brüllte ihn der Professor vor dem gesamten Hörsaal an:


"Legen Sie endlich Ihren lächerlichen Kinderglauben ab!"


Nach dieser Geschichte wurde mir einiges klarer. Zum Beispiel dieser spezielle Gesichtsausdruck bei einigen Priestern und Theologen, wenn ich sie als Kind oder Jugendlicher nach der Wahrheit von Begebenheiten aus dem Evangelium fragte. Es war wohl eine Mischung aus verschiedensten Gedanken. "Oh, wenn du wüßtest, was ich weiß, der ich Theologie studiert habe" mischte sich mit "Oh, wäre das schön, wenn man wieder einfach so kindlich glauben könnte, aber es stimmt ja leider alles gar nicht" mischte sich mit "Er hat einen simplen Glauben, also darf ich ihn ja nicht mit der Wahrheit überfordern." Was herauskam, war etwas Verkrampftes, durchsetzt mit Traurigkeit.


Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich werfe niemandem vor, dass er nicht (mehr) an die Wunder im Neuen Testament glauben kann. Es ist im Jahr 2012 schwer geworden, an all das zu glauben, und noch mehr vermutlich, wenn man Theologie studiert hat. Nicht umsonst zeigen Umfragen unter Katholiken in Deutschland, dass nur ein knappes Viertel zum Beispiel an die Auferstehung Jesu glaubt. Und ich wette, dass die meisten gläubigen Menschen, auch wenn sie nicht Theologie studiert haben, zumindest 1-2 mal am Tag ein wenig Atheisten sind. Ich kenne das zumindest bei mir.


Ist es "lächerlicher" "Kinderglaube", darauf zu vertrauen, dass die Ereignisse des Lebens Jesu sich in etwa so abgespielt haben, wie das Neue Testament sie berichtet? Auch wenn es natürlich mehrere Ebenen der Interpretation gibt? Ich glaube nein. Aus drei Gründen:


Erstens kann ich mir schwer vorstellen, dass Gott (wenn wir an ihn glauben) seine Evangelisten so inspiriert hat, dass sie Texte verfasst haben, von denen erst nach knapp 1900 Jahren kluge Wissenschaftler entdecken, dass in vielen Fällen eigentlich das Gegenteil vom Wortlaut wahr ist. Und dass Gott zugelassen hätte, dass viele viele Generationen ahnungslos den Texten vertraut haben (diese Narren).


Zweitens lehrt uns die Kirche im II. Vatikanischen Konzil, dass "die vier genannten Evangelien, deren Geschichtlichkeit sie ohne Bedenken bejaht, zuverlässig überliefern, was Jesus, der Sohn Gottes, in seinem Leben unter den Menschen zu deren ewigem Heil wirklich getan und gelehrt hat bis zu dem Tag, da er aufgenommen wurde (vgl. Apg 1,1-2)." Das ist schon was, was man nicht einfach wegwischen kann.


Und drittens scheint die neuere Forschung immer mehr darauf hinzudeuten, dass wir den Evangelien wirklich trauen können, auch bei so "mythischen" Ereignissen wie den Wundern oder der Auferstehung Jesu. Es gibt da ein Buch, das für mich enorm wichtig wurde und das ich in jeder Fastenzeit als Vorbereitung auf Ostern verschlinge... aber das ist Thema für einen neuen Blogeintrag.

Kommentare:

  1. das größte Wunder auf Erden: www.volto-santo.com

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  2. Der große Philosoph Robert Spaemann sagte diesbezüglich einmal: "Ich glaube ungefähr dasselbe, was ich als Kind geglaubt habe - nur dass ich inzwischen mehr darüber nachgedacht habe. Das Nachdenken hat mich am Ende im Glauben immer bestärkt."

    Papst Benedikt sagte ähnliches im Buch "Licht der Welt" (S. 196)!

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