Mittwoch, 18. Juli 2012

Die furchtbare Angst vor konservativen Bischöfen

Die Spannung steigt: im Vorarlberg, in Salzburg, später in Graz stehen Bischofsernennungen an. Seit Monaten spekulieren Medien über die kommenden Kandidaten, keiner weiß wirklich etwas, weil die Ernennungsvorgänge schwerer zu durchschauen sind als das Muster in einem Teller Spaghetti, und die Theorien blühen. Namen werden gehandelt, und nur eines ist als Dogma gewiß: das Schlimmste, die absolute Apokalypse wäre ein konservativer Bischof, oder gar zwei oder drei. Ängstlich berichtet man über Kandidaten, und man beobachtet genau, ob sie in Interviews "der Papst" oder "der Heilige Vater" sagen.

Was meines Erachtens hinter diesen furchtbaren Ängsten steht, ist - neben unguten Erfahrungen der Vergangenheit - ein veraltetes Bischofsbild: das eines absolutistischen Herrschers, der, kaum an die Macht gekommen, mit einem irren Kichern alle Hebel umlegt und aus einer weltoffenen, modernen Diözese einen finsteren, reaktionären Ort macht, in dem geknechtete rosenkranzschwingende Kreaturen ängstlich durch die Gassen schleichen. Abgesehen davon, dass die Etiketten "konservativ" oder "liberal" genau das sind: nämlich Abziehbilder, die einem Menschen nie angemessen sein können - san ma si mal ehrlich: ein Bischof ist ein armes Schwein. Er muss versuchen, in einer mächtigen Umbruchszeit, in der die bisherige "Volkskirche" immer mehr bedroht scheint, einen riesigen Apparat, ein großes Territorium zusammenzuhalten. Jede seiner Handlungen lässt ihre Erschütterungen bis in die hintersten Enden der Diözese spüren und löst sofort Reaktionen aus, Anrufe, SMSe, Emails, Gespräche. Machen wir uns nichts vor: Ein Bischof, selbst einer der gefürchteten „konservativen“, kann seine Diözese, zumal in der Umbruchzeit, in der wir leben, nur mit den Menschen, mit den Angestellten führen, die er hat - und nicht an ihnen vorbei. Schreckensvisionen sind also zumeist übertrieben.
Im Übrigen taugen die Namen, die bisher als "konservative" Kandidaten gehandelt wurden, nicht zum reaktionären Kinderschreck im Sinne eines rotbehandschuhten Piusbischofs. Die meisten leben in der Welt von heute, haben Pfarren geführt oder in Dekanatskonferenzen gesessen, sind auf Facebook und vielleicht sogar auf Twitter und wissen um die Zerbrechlichkeit der Kirche. Keiner von ihnen wird mit eisernen Hand Ministrantinnen verbannen, Wortgottesdienste ersatzlos streichen und ein Regiment des Schreckens einführen. Nein, es ist so, dass alle diese armen Bischofs-Kandidaten, ob "konservativ" oder "liberal", nur ein Ziel haben: möglichst unter Gottes Führung, soweit man das als Mensch sagen kann, zu erraten, was die Kirche von morgen braucht, und in all dem Chaos des Bischofsalltags zu versuchen, behutsam die Weichen in diese Richtung zu stellen. Das ist schwer genug und elendes Stückwerk. Daher mein Appell: wenn sie denn ernannt sind, lassen wir die Etiketten in der Küchenschublade, versuchen wir, den Menschen in den Blick zu nehmen...  Und geben wir ihnen eine Chance.

Denn, wie Reinhard Mey zu singen pflegte, sind wir alle lauter arme kleine Würstchen.

Kommentare:

  1. "Was meines Erachtens hinter diesen furchtbaren Ängsten steht, ist - neben unguten Erfahrungen der Vergangenheit - ein veraltetes Bischofsbild" (Zitatende)

    Mit "veraltet" hat das nichts zu tun. Die Medien "fürchten" sich vielmehr vor der Wahrheit, die romtreue Bischöfe vertreten. Denn auch die Medien sind heute "politisch korrekt", genauso wie die Politik (Gender, Homo-Ehe, Abtreibung, Zölibat, Sex,...).

    Da ist ein romtreuer Bischof schlichtweg ein Skandal, der mundtot gemacht werden muss. Wie gesagt, Jesus Christus ging dafür ans Kreuz...

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  2. Danke für die Rückmeldung - Sie haben natürlich recht, Bischöfe werden auch schlichtweg für ihre papsttreuen Inhalte gemobbt, das liegt nicht nur am "falschen Bischofsbild".

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  3. Sie schreiben: „Ein Bischof, selbst einer der gefürchteten ,konservativen‘, kann seine Diözese, zumal in der Umbruchzeit, in der wir leben, nur mit den Menschen, mit den Angestellten führen, die er hat - und nicht an ihnen vorbei. Schreckensvisionen sind also zumeist übertrieben.“
    Das mag für Österreich gelten; da kenne ich mich nicht so gut aus. In Deutschland, speziell im Bistum Regensburg, braucht der Schrecken keine Visionen, dort ist er sehr handfest. Dort gab sich der Hirte (Bischof Gerhard Ludwig Müller) alle Mühe, das Bistum an den Menschen vorbei zu leiten – indem er gewählte Kirchenvertreter entlässt, Priester in den Vorruhestand schickt oder suspendiert, von Laien gewählten Diözesanrat durch einen Diözesanrat (dessen Mitglieder er selbst ernennt) ersetzt usw. Weitere Beispiele für den „Schrecken“ finden Sie hier: http://sancta-simplicitas.de/wp/bischof-mueller/
    Ich habe also durchaus Verständnis dafür, wenn die Christen, die nicht zu allem Ja und Amen sagen, die Bischofsfrage mit Sorge beobachten.

    Klaus Kegebein, Lübeck

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    1. Ach lieber Herr Kegebein, Bischof Gerhard Ludwig Müller ist nun Erzbischof und Präfekt der Glaubenskongregation!

      Und damit werden viele - auch in Österreich - nicht fertig; das liegt aber einzig und allein daran, dass diese "Besserwisser" (auch ein Pfr. Schüller und seine Pfarrer-Initiative gehören dazu) schlichtweg nicht begreifen können, was die Hl. Katholische Kirche wirklich ist, nämlich eine Stiftung Jesu Christi. Und diese Stiftung wird von seinem Stellvertreter, dem Nachfolger des Hl. Petrus, geleitet, und eben Gott sei Dank nicht von Leuten, die meinen, gescheiter zu sein als Papst Benedikt (der als einer der intelligentesten, weisesten, gütigsten und auch bescheidensten Theologen gilt).

      Nun hat Papst Benedikt mit Erzbischof Müller einen weiteren, höchst intelligenten und glaubensstarken Mann in Rom, der ihn tatkräftig unterstützt - unbeirrt vom Zeitgeist.

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  4. Zur Kenntnis genommen. Ich arbeite für einen Bischof und habe hier den Eindruck, die Gafeahr ist nicht so groß. Aber danke für das Feedback.

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  5. Ein kurzer Check des Blogs auf www.seitwert.de zeigt, hier ließe sich noch einiges optimieren, Blog-technisch & -methodisch

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  6. Herzlich willkommen!
    Soeben in die Liste kath. Blogs eingebaut:

    www.bloggerliste.blogspot.de

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